222 Tage und am Boden

By hilkman

Die Zeit schleppt sich dahin, und wir mit. Vor längerer Zeit hatte ich ja schon mit diversen anderen Eltern von transplantierten Kindern gesprochen, aber niemand hatte auch nur annähernd so lange warten müssen wie wir. Die vielen Informationen über das Leben nach der Transplantation geraten dabei schon fast wieder in Vergessenheit, denn das ist im Moment Zukunftsmusik. Natürlich geht es Miriam besser als den meisten anderen Kindern auf der Station, aber die Wartezeit macht mich einfach ganz fertig.

Gut, dass mich zwischendurch Miriam aufmuntert. Bei ihr hat sich nichts weiter geändert – sie ist fast immer guter Dinge und macht dadurch Mut. Jeden Tag kann sie mindestens ein neues Wort sagen, und das ist total faszinierend. Heute wollte ich mit ihr ein bisschen laufen üben, darum habe ich mal ein Laken auf den Boden gelegt und sie draufgestellt. Stehen kann sie ja schon ziemlich toll, obwohl ich sie noch vor eventuellem Umfallen beschütze (das wird sie später lernen müssen). Da sie aber sonst immer nur im Bett oder auf meinen Beinen steht (wenn ich im Sessel sitze), kennt sie richtig festen Untergrund gar nicht, und daran möchte ich sie ein bisschen gewöhnen. Einzelne Schritte gibt es auch mal, aber eher unabsichtlich. Na ja, das ist alles in Ordnung, denn wir wollen ja auch nicht, dass sie so weit läuft, dass sie an den Schläuchen zerrt… da soll sie ruhig langsam machen.

(English) I have spoken to several other parents of transplanted children. That was very reassuring, but none of them had to wait nearly as long as we have to. After 222 days in the ICU I am seriously exhausted, although Miriam is encouraging me much. She is learning new words every day, and today I wanted to practice walking with her, so I put a sheet on the ground and let her stand on it, so she could experience solid ground (she is usually only standing on the bed or on my legs). Progress is small, but it is noticable.

Schlagworte: ,

3 Antworten zu “222 Tage und am Boden”

  1. grenzgaenge sagt:

    hallo,

    “die wartezeit macht mich einfach ganz fertig”. das bringt es auf den punkt. ich glaube nicht mich in deine situation versetzen zu koennen, ich denke es ist schwer nachzuvollziehen was du durchmachst. ich kann dir nur schreiben das ich (unbekannterweise) in gedanken bei dir bin. miriam und du sind in meine gebete eingeschlossen.

    ganz liebe gruesse und viel kraft,
    der grenzgaenger

  2. hilkman sagt:

    Danke an Dich und an alle, die mit uns mitfiebern und mitleiden.

  3. Netty sagt:

    Ich kann Euch verstehen, die Wartezeit ist die Schlimmste u. macht ziemlich mürbe u. oft sehr depressiv!

    Ich denke immer an Euch u. wünsche Euch alles Gute!

Einen Kommentar schreiben