Da bin ich wieder – die Woche war erwartet anstrengend. Dass ich damit nicht allein dastehe, habe ich gestern und vorgestern bei Karstadt in der Spielwarenabteilung erlebt. Ich habe mir solche Weihnachts-Shopping-Orgien ja nie angetan und mich auch nie davon verrückt machen lassen, aber die Schlangen an den Kassen waren wirklich beeindruckend.
Mein eigener Einsatz war zwar anstrengend (zumal ich die ganze Zeit stehen musste), aber keineswegs so eintönig, wie man vielleicht denken würde, wenn man hört, dass ich nur zwei Spiele vorführen sollte. Das lag vor allem daran, dass ich natürlich von den Horden von Menschen als Auskunftssäule mitbenutzt wurde. Nun kannte ich mich in der dortigen Spielwarenabteilung kaum aus, aber am Ende der zwei Tage hatte ich doch einigermaßen mitgekriegt, was wo war. Hinter mir waren zum Beispiel Ständer mit Matchbox- und Siku-Autos, und ich kann mir auf die Fahnen schreiben, beim Verkauf von ungefähr vier Autos treibende Kraft gewesen zu sein. Bei der Kernaufgabe, nämlich die Kundschaft von den Vorzügen von Halli Galli und Didi Dotter zu überzeugen, gab es dagegen zwei Probleme: Erstens haben, wenn ich die Gespräche, die ich so geführt habe, mal hochrechne, ungefähr vierzig Millionen deutsche Haushalte schon ein Halli Galli (von den wenigen, auf die das nicht zutraf, haben immerhin diverse eins gekauft), und zweitens war Didi Dotter vielleicht ein bisschen teuer für Spontankäufe. So war es vielleicht kein völlig durchschlagender Erfolg, aber den kann man ja nun auch nicht nur daran festmachen, wie viele Leute sich wirklich ein Spiel von dem Ständer neben mir heruntergenommen haben. Denn es haben ja doch viele Leute die Spiele auf diese Weise kennen gelernt, und wer weiß, ob sie nicht am Montag reumütig zurückkehren und sich noch eins besorgen.
Übrigens kann man von den beiden Spielen durchaus halten, was man will; ein Gespräch, dass ich von zwei vorbeigehenden Frauen aufgeschnappt habe, möchte ich den Spieleinteressierten unter Euch aber doch nicht vorenthalten, weil es gezeigt hat, wie wichtig es ist, das Konzept des guten Spielens weiter unter der Bevölkerung zu verbreiten:
Frau 1: Guck mal, hier ist ein Spiel aufgebaut!
Frau 2: Ach nee, ich will’n richtiges Spiel.
Frau 1: Was denn?
Frau 2: Mensch ärgere dich nicht oder sowas.
Am Samstag habe ich die Vorführung dann für zwei Stunden unterbrochen, um zu einer Beerdigung zu fahren. Auch die hat mich emotional sehr mitgenommen (war ja nicht die erste, auf der ich in diesem Jahr war) und ich knabbere immer noch daran. Ich möchte das hier nicht in allen Einzelheiten ausbreiten, aber ich habe auch daran gesehen, dass ich einfach nach zweihundert Tagen auf der Intensivstation nicht mehr viele Reserven habe. Normalerweise würde ich darauf hoffen, dass sich das jetzt alles ein bisschen bessert, wenn die Weihnachtsferien ausbrechen, aber so richtige freie Tage werden das für uns ja nun auch nicht. In Weihnachtsstimmung bin ich naheliegenderweise überhaupt gar kein bisschen, aber ich hoffe, dass es trotzdem ein paar erholsame Momente gibt. Die habe ich nämlich dringend nötig.
Immerhin konnte ich dann gestern Nacht noch erfahren, dass Ivan Klasnic am Nachmittag zwei Tore für Werder geschossen hatte. Für Uneingeweihte: Ivan Klasnic hat im Frühjahr im zweiten Anlauf erfolgreich eine Nierentransplantation hinter sich gebracht, lange Zeit an seiner Reha gearbeitet und nach Monaten der Pause ist er nun wieder ernsthaft Profifußballer. Nicht, dass ich mir so eine Karriere für Miriam herbeisehnen würde (die soll ja Profigolferin werden), aber es ist total ermutigend, dass man ihm seine Krankheitsgeschichte in keiner Weise anmerkt, weder auf dem Fußballplatz noch vor dem Mikro der Reporter. Zumindest das wünsche ich Miriam auch.
Solche Interviews könnten sich übrigens bald lohnen, denn Miriam macht deutliche Fortschritte beim Sprechen. „Haade“ (Haare) kann sie ja schon seit Wochen sagen (und dabei in meinen oder ihren eigenen Haaren wühlen), „Ba“ für Ball ist dazugekommen, seit sie ein Buch hat, wo ein Hund mit einem Ball spielt, und ihre neueste Errungenschaft ist „Nana“ für Nase. Passiv (also verstehen) kann sie schon viel mehr, und ich denke, sie kann auch mehr sprechen, was wir nur noch nicht identifiziert haben. Bei manchen Wörtern brechen auch wilde Diskussionen zwischen Elissa und mir aus, ob das, was sie gerade gesagt hat, nun Chinesisch oder Deutsch war (natürlich meist mit völlig verschiedenen Bedeutungen). Jedenfalls ist es eine wahre Freude, ihr zuzuhören.
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(English summary) This week was every bit as exhausting as I had expected. Demonstrating the games in the department store showed me the true extent of the christmas shopping craze – something I had rather ignored until now. Although the crowd was notably different from the one in the games fair in Essen (here, I was actually working in a toys department, not a games department), I managed to get a certain number of people interested in gaming. Saturday afternoon I went to a funeral, which was rather difficult for me and is still touching to think back to (which I do a lot). I do notice that I could use some quality rest, but none seems to be coming up. Needless to say, I am in no mood for christmas, especially since it doesn’t look like much of a day off at the hospital this year.
Upon coming home from the department store, however, I learned that Ivan Klasnic, one of Werder Bremen’s foremost attackers, had scored two goals in Saturday afternoon’s football match against Leverkusen. That as such might not have been such big news, but for me it was, as Klasnic is probably the first professional football player (worldwide) who made a comeback after having a kidney transplant. He had been out for nearly a year, and few optimists thought he would be back to his former strength. Well, at least he is back on track. Seeing that he appears completely normal both on the pitch and in interviews makes me very happy and gives me hope for Miriam (even though she might prefer a career in golfing).
Miriam is now extending her vocabulary. She can say „hair“, „ball“ and „nose“ now, and other things we may have failed to recognize so far. It is funny when you raise a bilingual child: Whenever she says something, the parents will argue which language that might have been. But nevertheless it is a pleasure to listen to her.
Schlagworte: Ivan Klasnic, Weihnachten

Dezember 17, 2007 um 10:22 |
mmmhhh, bei uns heißt „haade“ Hallo und wird fleissig als Erwiderung auf „Guten Morgen und Co.“ verwandt. Ab und zu bilde ich mir ein, ein „Danke“ zu hören, aber das ist wahrscheinlich Wunschdenken…
Aber da Karlchen natürlich immer die Sachen am spannendsten findet, die scharf, klebrig, zerbrechlich, elektrisch oder sonstwie „unerwünscht“ sind, kann sie perfekt (und mit energischem Tonfall) „Nein“ sagen. Neulich klang sie schon wie meine Mutter…. Na ja, ich sehe sie ja momentan leider nur zum Frühstück und abends, wenn ich sie ins Bett bringe… Weihnachten ist halt stressig… Aber daß sie wie meine Mutter klingt… bedenklich, bedenklich….
Hat Miriam eigentlich auch so ihre eigene, ziemlich undefinierbare Sprache, in der sie mit sich selbst erzählt? Bei unserem Krümel klingt es oft wie eine Mischung aus betrunkenem Australier und einer Spur koreanisch, oder so…
Ach ja, vielleicht schmeißt Miriam ja auch irgendwann das 5-Sterne-Restaurant (Kochgeschirr) auf einem Golfplatz und verkauft nebenher (für irre viel Geld natürlich, da der Golfer alles bezahlt, um seinen Schwung zu verbessern) taiwanesische Spezialkräuter (Waage).
Ihr seht, der Interpretationsmöglichkeiten gibt es viele und es bleibt spannend
die liebsten Grüße,
Susi und Familie
Dezember 18, 2007 um 9:01 |
Also bei Miriam heißt „Haade“ ganz klar Haare. Und darin wühlt sie einfach gern – auch in ihren eigenen, seit sie mitgekriegt hat, dass sie auch selbst über welche verfügt…
Dezember 18, 2007 um 9:21 |
Jaaaa, es sieht ja auch glücklicherweise so aus, als wenn sie eher die Haarpracht ihrer Mutter geerbt hat, als Deine
Und irgendwie klingt „Haade“ ja auch mehr nach Haare als nach Hallo. Aber Karlchen sagt halt Haade zur Begrüßung. Vielleicht heißt es ja auch Haare und sie erkennt damit das Vorhandensein selbiger beim Gegenüber an. Wer weiß das schon….
Die Schlägel (nennt man die so??) vom Xylophon hält Miriam ja richtig professionell. Selbst gekauft oder das Geschenk eines Kinderlosen?? Ich weiß ja mittlerweile „leises“ Spielzeug sehr zu schätzen. Muss ja nicht geräuschlos sein, aber wenns so arg laut wird…
Dezember 30, 2007 um 12:04 |
Wir haben uns letztens alte Videos von unserem Töchterlein angeschaut u. dort sagte sie ganz deutlich: „Suhe auuuus!“ Den Befehlston hat sie jetzt mit 16 Jahren immer noch!! Wir mußten lachen! Sie selbst aber auch!