(English below)
Liebe Leute,
da bin ich wieder. Fünf Tage von Göttingen entfernt zu sein, war für mich im Moment nur deshalb einigermaßen möglich, weil ich auf der Messe in Essen wirklich ziemlich abgelenkt war. Es gab wenig Zeit zum Schlafen und für geregelte Mahlzeiten, und entsprechend bin ich erstmal ganz schön erschlagen. Aber schön war’s!
Das Erklären von Spielen liegt mir ja durchaus. Aber in den meisten Fällen erklärt man im Alltag Spiele nicht völlig Wildfremden, sondern Leuten, die man zumindest ein bisschen kennt, wenigstens den Namen und meistens noch mehr. Auf der Messe ist das anders; man setzt sich zu einem Grüppchen von Leuten, über die man nichts weiter weiß und erklärt so drauf los. Eines der Probleme dabei ist, dass Spieleerklärungen immer zielgruppengerecht sein sollten. Einmal habe ich beispielsweise (nicht auf der Messe) jemandem Tichu erklären wollen und erst nach einer Weile gemerkt, dass diese Person noch nie ein Stichspiel gespielt hatte, also keinerlei Vorstellung davon hatte, was überhaupt ein Stich ist. Wenn ich das weiß, kann ich ein Spiel entsprechend erklären; weiß ich gar nichts, kann es sein, dass ich völlig in die falsche Richtung erkläre. Sowas kann leichter passieren, wenn man in einer Gruppe landet, über die man nichts weiß. Da muss man dann möglichst schnell versuchen, ein Gefühl für die Leute zu kriegen. Aber im Großen und Ganzen hatte ich dieses Jahr auf der Messe vor allem Leute, die einigermaßen schnell von Begriff waren, was auch immer ein bisschen Glückssache ist. Insgesamt ist es so, dass viele Gruppen, die sich da an einem Tisch niederlassen, einfach nur zuhören, vielleicht ein paar Fragen stellen und dann drauflosspielen. Dann sitze ich vielleicht noch eine oder zwei Runden mit am Tisch und gucke zu, ob sie es einigermaßen richtig machen und lasse sie dann allein. Aber es gibt dann auch immer mal wieder Gruppen, wo die Stimmung schon beim Erklären so gut ist, dass ich es schade finde, nicht selbst mitspielen zu können. Diesmal kam das direkt öfter mal vor.
Außerdem habe ich in diesem Jahr wohl mehr auf Englisch erklärt als auf Deutsch. Zwar war ich nicht der einzige von den knapp zwanzig DemonstratorInnen, der Englisch konnte, aber irgendwie wurde ich speziell zu den ausländischen Gruppen immer wieder hingelotst. Diesmal hatte ich Leute aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, USA, Slowenien, Italien, den Niederlanden, Finnland, Spanien, Tschechien, Polen und wahrscheinlich noch ein paar anderen Ländern, bei denen ich nicht gefragt habe oder es schon wieder vergessen habe. Am Freitag ging es so weit, dass ich am Abend plötzlich ein Spiel auf Deutsch erklären sollte und erstmal nach den Worten rang. Aber das gehört dazu. Meine Stimme ist nach vier Tagen Dauerreden ziemlich ramponiert, aber ich freue mich durchaus auch schon auf das nächste Jahr.


Was es außerhalb des Amigo-Standes so an schicken Neuigkeiten gab, weiß ich nun natürlich kaum, weil ich nur in den Pausen mal kurz rumgelaufen bin. Aufgefallen ist mir „Cash & Guns live“, eine Partyvariante des lustigen Bankraubbeuteaufteilspiels von vor zwei Jahren (erschienen bei Repos). Diese Variante kann man im Park, auf öffentlichen Plätzen oder auch in geeigneten Wohnungen spielen. Begehrt war außerdem das neue Spiel von Friedemann Friese, nämlich „Filou“. Eigentlich wollte ich es mir auch zulegen, aber am Sonntag war es auf der Messe bereits ausverkauft. Na, das wird sich auch in Göttingen bei Gelegenheit mal finden lassen.
Von den Amigo-Spielen war dieses Jahr der gefühlte Renner „Ziegen kriegen“, ein flottes kleines Stichspiel, das eigentlich allen gefiel, denen ich es erklärt habe. Wesentlich seltener habe ich Spiele aus der Spielesammlung „4 in 1“ erklären dürfen, in der die beiden legendären vergriffenen Spiele „Mü“ und „Njet“ gemeinsam mit „Meinz“ und „Was sticht?“ neu aufgelegt wurden. Die wenigen, die sich dafür interessiert haben, waren immerhin einhellig begeistert. Der Stand war speziell im „Gangster“-Stil dekoriert, was entsprechend viel Aufmerksamkeit anzog. Im Verkauf noch besser lief aber wohl „Alchemist“, und auch „Venedig“ gefiel vielen (von den Amigo-Brettspielen in diesem Jahr mein persönlicher Favorit).

„Gangster“ brauchte viel Platz, und die größeren Tische waren sehr begehrt. Einige improvisierten…

Jetzt, wo mich der Alltag wiederhat, wird es höchste Zeit, mich um das Tichu-Turnier zu kümmern, das wir eigentlich am 24. November veranstalten wollen. Leider war der Raum im MPI, wo wir letztes Mal waren, nicht wieder so einfach zu kriegen. Das Kadenz scheint mal wieder den Besitzer gewechselt zu haben und im Moment noch ganz geschlossen zu sein. Und andere Kneipen oder Restaurants an einem Samstag Abend zu bekommen, ist innenstadtnah nahezu völlig ausgeschlossen. Einen Raum anzumieten ist meist teuer oder auch einfach nicht möglich, so dass ich noch nicht sicher bin, ob es diesmal überhaupt klappen wird. Nachmittags wäre es bedeutend einfacher, aber zumindest im Moment will ich das nicht, weil ich meine Nachmittage dann doch lieber im Krankenhaus zubringen möchte. Ich werde diese Woche noch mal ein paar Möglichkeiten ausloten – wenn es dann nicht klappt, muss ich es auf unbestimmte Zeit (Januar? Bis dahin hätte ich dann zumindest mehr Zeit zum Suchen) verschieben – leider. Realistische Vorschläge sind natürlich jederzeit willkommen.
Von all diesen Fragen ganz unberührt ist derzeit Miriam. Heute konnte ich ja zum ersten Mal wieder bei ihr sein, was nach der langen Pause natürlich eine besondere Freude war. Und es geht ihr auch einigermaßen prima, aber das Problem mit dem Erbrechen ist noch nicht unter Kontrolle. Seit gestern sind ihre Mahlzeiten verringert worden und sie bekommt wieder eine Infusion (allerdings immerhin nicht über einen ZVK, sondern über einen einzelnen Schlauch in ihrer Hand). Das ist natürlich nicht so toll, aber im Moment fällt uns auch nicht viel anderes ein. Ein bisschen spielt die Psyche vielleicht auch mit, denn wenn wir um viertel vor acht wegwollen, kotzt sie besonders gern, unabhängig davon, wann sie zuletzt gegessen hat.
Das macht uns ein bisschen Sorgen, obwohl sie trotzdem ordnungsgemäß zunimmt. Aber es kommen natürlich auch immer mal ein paar Medikamente wieder mit raus, und das ist nicht so leicht einzuschätzen, wieviel sie dann noch nachkriegen muss oder ob überhaupt.
Ansonsten war sie heute sehr fröhlich und agil, ein echter Schatz. Sie sitzt und steht (mit Hilfestellung) gern, spielt leidenschaftlich vor allem mit Büchern und schwätzt viel. Die netten und lustigen Momente überwiegen also klar gegenüber den sorgenvollen. Die Zeit, die wir bisher mit Warten zubringen, ist ja sowieso schon gar nicht mehr so richtig wahr, auch wenn sie natürlich gehörig an unseren Nerven zerrt. Wir versuchen nach wie vor, das Beste daraus zu machen. Ich hänge mal ein paar schöne Fotos an, die Elissa gemacht hat, während ich weg war. Filme folgen hoffentlich später, die habe ich mir noch gar nicht angucken können.






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(English) Sunday night I returned from Essen, after four days of explaining games at the world’s largest games fair. This is the second year I did this, after many years of traveling there as a visitor. Explaining game rules is something I have done hundreds of times in my life and I have some experience with it – doing it for four days straight is a different story altogether. Since there was a lot of background noise, my voice was strained to the limit on the third day (Saturday, the most crowded day of them all).
Despite the rather exhausting job, I enjoyed it a lot. It didn’t leave me much time to wander around to check what other companies presented this year. In the short times that I had, I saw „Cash and Guns live“ (published by Repos), a variant of the almost legendary „Cash and guns“. In this version, players don’t sit around a table, but wander around in a park or on a square or in a large apartment or whatever. It is more like a party game this time. It looked great, but I don’t know whether I would have enough opportunities to play that here. Instead, I wanted to check out a little game by Friedemann Friese called „Filou“, but when I got around to that, it was already sold out. I will keep my eyes open in Göttingen, as those who played it liked it a lot.
As for Amigo’s games (Amigo is the company I worked for), the most popular one seemed to be a little card game named „Ziegen kriegen“ („Getting Goats“). Everyone who tried it seemed to like it. Among the board games, „Alchemist“ seemed to sell well, and people also enjoyed „Venedig“ („Venice“). I only explained „4 in 1“ a few times, but that’s my personal favorite this year. It is a reissue of some older trick taking games, including „Mü“ and „Njet“, both of which are excellent. Since I never owned „Njet“, I was really happy to get it. For all who like sophisticated card games, this collection is a must.
Back at home I tried to organize our next Tichu tournament. Alas, getting a room in Göttingen on a Saturday night gets harder every year, so no success so far. If I don’t succeed, I will have to postpone it (we were hoping for the 24th of November) or change it to an afternoon date (which I am a bit reluctant to). We will see.
Yesterday I went to see Miriam again, which was great of course, after five days of absence from Göttingen. She is still doing fine, except that she is vomiting a lot, and the reasons for that are a bit unclear. The amount of food she is getting has been reduced, and she gets an infusion again to make up for that, but often she seems to puke exactly when we are leaving for the night, so some psychological aspects might be involved as well. The doctors say we shouldn’t worry too much unless it doesn’t stop within a week or so, as long as she gains weight she should be fine. But we do worry anyway. That’s what parents do, I guess.
Apart from that, she is doing just great. She can sit rather professionally right now, loves to be held in a standing position and is generally happy and cheerful. So there is a lot of strength to be gained for us when we go there, and of course we try to give her what we have as well. There are some photos that Elissa took while I was gone – I haven’t checked out the films yet, but I will as soon as I can.